Funkenflug. Machen wir Schulen zu Orten der Menschwerdung

Mrz 18 2014

Marcel Jahn (19 Jahre) studiert Philosophie und Volkswirtschaft. In seiner Schulzeit sah er Schüler wie aufgezogene Spieluhren. Heute fragt er sich, warum haben so, so viele keine Lust mehr auf Lernen? Und seit einem Jahr macht er „Funkenflug“ und will Schulen, zu denen man mit Freude geht. Schule ist doch die Keimzelle der Gesellschaft! Und wir sollten uns fragen: was ist uns wichtig? In welcher Welt wollen wir leben?

 

Foto: Andreas Schönefeld

Foto: Andreas Schönefeld

Kreativität, Engagement, Mitwirkung, Demokratie davon gab es in der Schule nur so wenig, immer nur bis zu einer Grenze. Es ging um organisatorische Fragen. Schüler wurden gefragt über die Raucherecke oder die Sitzbezüge in der Aula. Hinter der Grenze lagen die entscheidenden Fragen nach Inhalt und Methode. Was und wie lernen wir? Was und wie handeln wir?

Diese Grenze gilt es zu sprengen.

Marcel Jahn hält heute Abend einen Vortrag zu der Frage: „Wie demokratisch sind unsere Schulen?“. Eingeladen zu seinem 10jährigen Jubiläum wurde er vom Landesverband Schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg ins Berliner Rote Rathaus.

Marcel: Lernen muss aus mir kommen und nicht von außen, das eigene Feuer wird in der Schule, wie wir sie kennen, erstickt. Das hat auch gesellschaftliche Konsequenzen. Wir machen in der Schule keine gemeinschaftlichen Erfahrungen, keine gesellschaftlichen und keine individuellen. Die Folgen sind Ohnmacht, Politikverdrossenheit, Bulimielernen, mehr nicht. Wir lernen für äußere Sicherheiten, für eine „Schein“-Welt, Tests, Klausuren, Unischeine, Zertifikate aller Art.

Wir erlernen keine innere Sicherheit, kein Selbstvertrauen, keine Ich-Sicherheit, keine Selbstwirksamkeit. Demokratie in der Schule wäre in diesem Sinne ganz wichtig, also lebenswichtig.

Die Wirtschaft ist schon viel weiter als die Schule. Die Deutsche Bahn AG zum Beispiel legt keinen Wert mehr auf Abschlüsse. KREATIVITÄT – darauf kommt es an!

Marcel lädt die versammelte Festgemeinschaft dazu ein diese Demokratie-Grenze in den Schulen, von der er sprach, zu sprengen. In den Schulen könnten zum Beispiel Lerngruppen sich gemeinsame Ziele setzen entsprechen ihrer Bedürfnisse. Schulen könnten zu Orten der Menschwerdung werden. Schulen zu Zentren einer Stadt. Orte der Selbstreflektion, der Gemeinschaft.

Dies sei eine Haltungsfrage, eine Bewusstseinsfrage. Wir mögen bitte Zuhören  und Schauen. Was sind die Träume der Schüler, Lehrer, Eltern ???

Marcel Jahn schließt seinen Vortrag mit einem Bild. Wenn man am anderen Ende des Atlantik sein Boot nur um ein Grad in die richtige Richtung verschiebt, kommt man am Ende hunderte von Kilometern weiter an.

Und dann gibt es im Mai noch diesen Lauf “Funkenflug” durch Deutschland auf Berlin zu. Auch ein Zeichen.

Während der anschließenden Podiumsdiskussion meldet sich aus dem Publikum noch Viola, eine Schülerin der Berliner Ellen-Key-Schule, eindringlich mit der Bitte an das versammelte ältere Publikum: Bitte fragt und fangt mit den Bedürfnissen der SchülerInnen an, keine Konzepte von oben.

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